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Peter Wollny: Studien zum Stilwandel in der protestantischen Figuralmusik des mittleren 17. Jahrhunderts

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648), die große Katastrophe in der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, hat auch in der Musik deutliche Spuren hinterlassen. Speziell in Mitteldeutschland – seit der Reformation eine der fruchtbarsten musikalischen Landschaften Europas – führte der Krieg vielerorts zu einer drastischen Reduzierung, teilweise sogar der völligen Auflösung der städtischen und höfischen Ensembles. Die Wiederbelebung der musikalischen Institutionen nach dem Westfälischen Frieden erfolgte dann aber trotz widriger Bedingungen erstaunlich zügig. Doch was zunächst als eine einfache „Restituierung der alten eingegangenen Gebräuche“ begann, manifestierte sich schon bald als grundlegende Erneuerung und brachte eine Musikkultur hervor, die mit den Verhältnissen der Vorkriegs- und Kriegsjahre kaum noch etwas gemein hatte. Vor diesem Hintergrund nimmt es nicht wunder, dass der Lexikograph Johann Gottfried Walther im Blick auf die deutsche Situation den Beginn der „Musica moderna“ mit dem Jahr 1650 ansetzte (und nicht etwa mit der Erfindung der Monodie und der Einführung des Generalbasses um 1600).

Dieses Buch nimmt die tiefgreifende Epochenzäsur in der deutschen Musikgeschichte des mittleren 17. Jahrhunderts ins Visier und zeichnet den Wandel der geistlichen Figuralmusik in der Zeit zwischen etwa 1640 und 1675 wie auch der Paradigmen des Komponierens überhaupt nach. Im Zusammenspiel von Quellenkunde und Repertoirestudium, Analyse und Biographie entsteht ein komplexes Bild der Musikpflege und Tradierung, der wechselseitigen Beeinflussung und der großen Neuerungen im Schaffen namhafter wie auch weniger bekannter deutscher Komponisten (darunter Heinrich Schütz, Johann Rosenmüller, Caspar Förster, Johann Theile, Sebastian Knüpfer, Christian Ritter, Johann Philipp Krieger und Dietrich Buxtehude) und ihrer italienischen Vorbilder aus der venezianischen (Alessandro Grandi, Claudio Monteverdi, Giovanni Rovetta) und der römischen Schule (Giacomo Carissimi, Bonifazio Graziani, Vincenzo Albrici, Giuseppe Peranda).

Zum Autor:
Peter Wollny (geb. 1961) ist Direktor des Bach-Archivs Leipzig und Professor für Musikwissenschaft an der Universität Leipzig.

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