Im August 1599 trat der 14-jährige Heinrich Schütz als Schüler in das neugegründete Collegium Mauritianum in Kassel ein. Er wurde Chorknabe am Hof – „denn nach dem Ao. 1598. Ihre Hoch-Fürstl.Gnaden Herr Landgraf Moritz von Hessen Cassel … Ihn als damahls so einen kleinen Knaben so lieblich singen gehöret hatte seynd Ihre Fürstl.Gnaden bewogen worden … Ihn an seine Fürstl. Hoffstadt mit ziehen zu lassen mit Versprechen daß Er zu allen guten Künsten und löbl. Tugenden sollte aufferzogen werden.“ Bis 1607 erhielt Schütz an der modernen Fürstenschule eine universale mehrsprachige Bildung; für die musikalische Ausbildung sorgte Hofkomponist Georg Otto. In Kassel lernte Schütz, wie das Repertoire der Hofkapelle belegt, Musik in der ganzen Vielfalt seiner Zeit kennen.
Fragt man, was in Kassel aus der Zeit, als der junge Heinrich Schütz hier bis 1606/1607 zur Schule ging, geblieben ist, so stößt man durchaus auf Gebäude und Stätten, die Schütz gekannt haben muss. Die Schule hatte kein eigenes Haus; die Alumnaten wurden entweder im Stadtschloss oder im benachbarten Kanzleigebäude, dem heutigen Renthof, unterrichtet und wohnten auch dort.
Der prächtige Renaissancebau des Schlosses wurde allerdings bereits 1811 ein Raub der Flammen. Die benachbarte Brüderkirche, schon damals mit dem charakteristischen spitzen Dachreiter, dürfte Schütz vertraut gewesen sein, ebenso der nicht weit abgelegene Marstall, heute als Markthalle genutzt. Anderes ist nur in Rudimenten erhalten, so das zwischen 1581 und 1585 erbaute Zeughaus und auch die Martinskirche erhielt 1898 ein neues Westwerk mit dem gewaltigen Doppelturm, dessen nach der Zerstörung 1943 stehen gebliebene Stümpfe im Zuge des Wiederaufbaus mit einer wuchtigen Steinquader-Konstruktion ummantelt wurden.
Von besonderem Interesse dürfte aber für den jungen Schütz der unter seinen Augen entstandene Neubau des Ottoneums als erstem feststehenden Theaterbau Deutschlands gewesen sein, der nach mancherlei Zweckentfremdung und Umbauten bis heute als Naturkundemuseum Bestand hat.
Die Landes- und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel besitzt heute eine herausragende Sammlung handgeschriebener Noten und Erstdrucke von Werken Heinrich Schütz‘ und seiner Zeitgenossen. Weltweit verfügt keine Bibliothek über vergleichbar wertvolle Schütz-Bestände. Wohl schon aus Venedig versorgte Schütz seinen Förderer Landgraf Moritz mit Musikalien und übersandte diesem von seinen frühen kompositorischen Anfängen bis zum Lebensende eigene Kompositionen und Noten seiner Lehrmeister und Freunde. Noch unter der Regentschaft Wilhelm V. und Wilhelm VI. gelangten Autographe und Erstdrucke von Heinrich Schütz nach Kassel. Das erklärt, warum die Bibliothek über 60 handschriftliche Kompositionen von Heinrich Schütz und etwa 25 seines Lehrers Giovanni Gabrieli besitzt.
Heute hat in Kassel die Internationale Heinrich-Schütz-Gesellschaft ihren Sitz. 1930 gegründet, entfaltete sie nach dem Zweiten Weltkrieg eine zunehmend internationale Tätigkeit, die zur Entstehung zahlreicher Sektionen in europäischen und außereuropäischen Ländern führte. Jährlich veranstaltet die Gesellschaft an wechselnden Orten des In- und Auslandes ihre Internationalen Heinrich-Schütz-Feste und Heinrich-Schütz-Tage. In ihrem Auftrag erscheinen die Neue Schütz-Gesamtausgabe sowie das Schütz-Jahrbuch.
Internationale Heinrich-Schütz-Gesellschaft
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